Braniewo
[-!nje-], deutsch Braunsberg,
Stadt im Ermland (Polen), an der Passarge, 16 500 Einwohner; im 2. Weltkrieg
stark zerstört.
Quelle:
www.wissen.de
Die
Kreisstadt Braunsberg ist eine der ältesten Städte Ostpreußens. Wohl anstelle
einer prußischen Siedlung ('Brußeberge', daher der Name) wurde die erste
Stadtsiedlung als kleine Burg um 1240 vom Deutschen Orden erbaut. Sie lag
handelsgünstig an der Mündung der Passarge ins Frische Haff. In den
Prußenaufständen wurde die Burgsiedlung 1242 sowie 1260 zerstört. Daraufhin
erbaute man die Stadtsiedlung etwas weiter oberhalb der Passargemündung, wo sie
durch eine Flußschleife - auch vor Hochwasser - geschützter lag. Dies ist die
im damaligen Grundriß von 400 x 250 m angelegte Altstadt, wie alle
Ordenssiedlungen sehr geometrisch, mit einem Straßennetz in Leiterform
konzipiert.
Bereits 1254 waren Braunsberg die Stadtrechte vom ermländischen Bischof Anselm
verliehen worden. Die neuere Stadt erhielt jedoch die Handfeste und die
lübischen Stadtrechte 1284 vom Lübecker Bischof Heinrich Fleming. Die ersten
Siedler kamen entsprechend aus Lübeck und Holstein, aber auch aus Hannover und
Westfalen. Die Burg war bis 1340 Residenz des Bischofs von Ermland. 1342 wurde
auf der östlichen Uferseite die Neustadt durch Bischof Hermann von Prag
gegründet, die unbefestigt blieb und erst 1772 mit der Altstadt vereinigt
wurde.
Braunsberg hat viele Aufstände und schwere Kriege erlebt: Bürger rebellierten 1396, 1444 gegen den Bischof und zerstörten 1454 einen Teil der Burg. Nach der Niederlage in der Schlacht bei Tannenberg 1410 unterwarf sich die Stadt dem polnischen König, wurde aber bald vom Hochmeister Heinrich von Plauen, dem Verteidiger der Marienburg, wieder besetzt und wurde 1414 wieder dem Bischof von Ermland übergeben. In den Auseinandersetzungen der preußischen Städte, die sich 1440 zum sog. Preußischen Bund zusammengeschlossen hatten, versuchten die Braunsberger Unabhängigkeit vom ermländischen Bischof zu erreichen, verbündeten sich sogar mit dem polnischen König, wandten sich aber nach "schweren Bedrückungen" durch böhmische Söldner wieder dem neuen Bischof zu, der sich schließlich 1466 unter den Schutz des polnischen Königs stellte. Doch das Wirrwarr war damit nicht am Ende: Im sog. Pfaffenkrieg blieb Braunsberg auf Seiten des Bischofs Nicolaus von Tüngen und stellte sich damit gegen den Polenkönig, widerstand 1478 einer polnischen Belagerung. Im sog. Reiterkrieg blieb Braunsberg von 1520 bis zum Krakauer Frieden 1525 vom Ordenshochmeister Albrecht von Neujahrsmorgen besetzt. Im 1. polnisch-schwedischen Krieg erschien Gustav Adolf 1626 mit seiner Kriegsflottte im Hafen und besetzte die Stadt bis 1635. Die Bibliothek des Jesuitenkollegs wurde geraubt und befindet sich noch heute in der Universitätsbibliothek Uppsala. 1655, im 2. Schwedenkrieg wurde Braunsberg vom Großen Kurfürsten besetzt, der die Stadt 1663 wieder dem ermländischen Bischof gab. Die Schweden und Polen kamen nochmals im Nordischen Krieg zwischen 1703 und 1709 als sich abwechselnde Besatzer. Diesen drei Kriegen folgte jeweils eine Pestepidemie. 1772 schließlich kam Braunsberg mitsamt dem Ermländischen Bistum bei der 1. polnischen Teilung an Preußen und wurde Garnisonsstadt.
Seit Mitte des 14. Jhs. gehörte Braunsberg der Hanse an und war Stapelplatz, d.h. Haupthandelsplatz, für das Ermland. So gründete sich der wirtschaftliche Erfolg v.a. auf den Seehandel mit Getreide, Flachs und anderen Naturprodukten, die nach England, Skandinavien und ins Baltikum verschifft wurden. Seit Anfang des 19. Jhs. die Straßen und später die Eisenbahnen an Bedeutung gewannen, verlor Braunsberg zugunsten von Elbing und Königsberg als Handelsstadt. An Industrien gab es um die Jahrhundertwende u.a. Gerbereien, eine Brauerei (Bergschlößchen), eine Zigarrenfabrik. Seit 1890 gab es in Braunsberg das Ermländische Gestüt für Kaltblutpferde. Diese als Ermländer bekannten Pferde waren aus einheimischen, von den Ordenspferden und damit wiederum von den prußischen Schweiken abstammenden, sowie belgischen Kaltblutpferden für die schweren Böden in Ostpreußen gezüchtet worden.
Die
Umgangssprache in der Stadt war plattdeutsch in einer besonderen Ausprägung,
das Käslauisch. Amtssprache war seit dem 14. Jh. immer Hochdeutsch, im 15. Jh.
auch Latein.
Bekannt war Braunsberg auch durch sein Lyceum Hosianum, eine kleine Hochschule
mit einer philosophischen und einer theologischen Fakultät, die als solche 1818
aus einem Königlichen Akademischem Gymnasium entstanden war, seit 1912
"Staatliche Akademie" bezeichnet. Ihr Ursprung liegt jedoch in der
entfernten Vergangenheit einer Pfarrschule des 14. Jhs., die 1565 in ein
Jesuitenkolleg und 1567 in das Ermländische Priesterseminar umgewandelt wurde,
das seit 1578 als Missionsseminar für die nordischen Länder bis 1798 bestanden
und viele Theologen ausgebildet hatte. Dieses Hosianum besaß eine reiche
Skulpturensammlung, und die katholische Pfarrkirche der Stadt, deren Bau 1343
begonnen worden war, soll es mit dem Frauenburger Dom an Schönheit aufgenommen
haben. Sie war ebenfalls als Hallenkirche mit Chor erbaut. Braunsberg stand oft
in Konkurrenz zu Frauenburg, war aber seit jeher das geistige Zentrum des
Ermlandes. Der Historische Verein für Ermland - heutiger Sitz ist Münster/Westf.
- tagte abwechsend in Braunsberg und Frauenburg.
Braunsberg
als ermländische Stadt war fest in katholischer Hand, erst 1772 entstand eine
evangelische Gemeinde, 1830 wurde eine ev. Kirche nach Entwürfen eines
Schinkel-Schülers erbaut.
Gegen Ende des zweiten Weltkrieges wurde die Stadt als Teil des Heiligenbeiler
Kessels schwer zerstört und am 20. März 45 von den Russen besetzt. 1939 hatte
Braunsberg 21.142 Einwohner. - Heute ist es auf polnischem Gebiet, erheblich
kleiner und unbedeutend.

["Braunsberg
- Marktstrasse". Postkarte n. col. Foto, Verlag Reinicke & Rubin,
Magdeburg 3682, um 1908]
Die Marktstraße liegt auf dem Ostufer der Stadt. Sie diente seit alters her
zugleich als Marktplatz. Evtl. handelt es sich bei der Kirche im linken hinteren
Bildteil um die kleine Pfarrkirche St. Trinitatis der Neustadt. Der Druck der
Postkarte ist erstaunlich datailscharf: Die beiden Geschäftshäuser links
tragen die Schriftzüge "F. Abraham Seiler Mstr." bzw. "Brot- u.
Kuchen-Bäckerei von Carl Döpner", und der Mann in der weißen Hose links
zwinkert dem Fotographen zu.
Quelle: http://www.geocities.com/Athens/Styx/5329/
Home Letztes Update: 21.02.2002 12:14:46